Warum man ein Unternehmen nicht ''einfach mal so gründet''.

“Oh, wie interessant. Und was machst Du da genau?“ 

Ja….was mache ich das eigentlich genau? Vor allem verwirkliche ich mich selbst. 

“Hättest Du das nicht in einem Angestelltenjob auch machen können? Da muss man einfach mal selbst ein Unternehmen gründen?“ 

Nein, ICH hätte das nicht in einem Angestelltenjob geschafft. Andere vielleicht schon. Genau darum geht es ja.

Ab und an überkommt mich der Gedanke, ob ich mit meiner rechtswissenschaftlichen Ausbildung nicht ein entspannteres Leben haben könnte, wenn ich mich einfach irgendwo anstellen lassen würde. Sobald ich mich jedoch bei diesem Gedanken erwische, widerspreche ich mir sofort. Irgendwo anstellen lassen …. irgendwo? Ich bin ja auch nicht irgendwer. Schon immer wusste ich genau, dass ich ein Freigeist und out-of-the-box-Denker bin. Nach einigen Angestelltenverhältnissen während meines Studiums war klar, dass jeder Angestelltenjob, der nicht  mindestens auf der Stufe der Assistenz der Geschäftsführung ist, mir zu wenig gibt. 

Während meines letzten Jahres an der Universität stieg die Anzahl solcher Anfragen: “Laura, kannst du den Vertrag mal bitte anschauen?“, “Laura, ich hab das auf Ebay gekauft und der Verkäufer schickt es einfach nicht. Was kann ich machen?“ oder “ Laura, sag mal, wie ist das eigentlich …“.  Im Juli 2019 kam der Gedanke auf: Warum gibt es eigentlich keine Kurse für nicht-Juristen über alltägliches Recht? Die Menschen wüssten dann viel besser, was sie jeden Tag umgibt und wie sie ihre Rechtsgeschäfte selbst zu ihrem Vorteil gestalten können. Sowas muss es doch schon geben!

Turns out: gab es nicht. Es gab niemanden, der sich Gedanken über die Rechtsgebiete des Alltags gemacht hat und diesen Mehrwert so strukturiert anbot. Meine Idee war geboren. Zuerst erzählte ich meinem besten Freund davon.  Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, wenn man schon lange weiß, dass man schwanger ist, sich so darüber freut und es endlich jemandem erzählen kann. So stelle ich mir das Gefühl aber vor.

Zu Beginn der Idee steht man erst einmal vor einem Haufen Fragezeichen. Die Idee gibt es aber sie ist natürlich noch nicht ausgereift. Mir haben sich folgende Fragen gestellt:

§  – Wie komme ich an die Zielgruppe und wer ist das überhaupt?

§ – Wer bezahlt den ganzen Spaß am Ende und wie viel kann ich pro Stunde verlangen ?

§ – Wie soll ich das neben dem Studium alles schaffen? (Und was heißt überhaupt “alles“?)

§ – … 

Long story short: viele Unklarheiten zu Beginn, ganz viel (unbezahlte) Arbeit aber auch unglaublich viel Tatendrang und Zielgerichtetheit. Achja – und der Universitätsabschluss.

Dabei geht es mir bei all dem gar nicht um Geld, sondern um Freiheiten. Freiheiten, zu sagen, was so nicht funktioniert und andere Maßnahmen zu ergreifen. Aber auch die Freiheit flexible Arbeitszeiten zu haben und mir Termine frei legen zu können.

Das tue ich den ganzen Tag. Ich arbeite an neuen Ideen, Zielgruppenkommunikation, an Modulerstellung, an dem Sichten von Urteilen und so vielem mehr. Dazu kommt: in der Uni schrieb ich unmittelbar vor der Gründung meine Abschlussarbeit und legte die Niveaustufenprüfung C1 in Englisch ab. 

Die Prioritäten verschoben sich: die Uni und das Rechtswissenschaftsstudium war seit 2013 mein Lebensmittelpunkt. Jetzt rückt das eigene Unternehmen in den Fokus. Weder das Eine, noch das Andere ist “einfach mal so nebenbei“ zu bewältigen. Man setzt seine Prioritäten selbst. Dann kann man [alles] schaffen.  

Meine Konstante trotz der sich verschiebenden Prioritäten: Rechtswissenschaften.

Du siehst, Deine Freiheit und Deine Zufriedenheit muss nicht die Erwartungen der Anderen treffen. Wenn Du es wirklich willst: Halte durch; es wird sich lohnen.

Alles Liebe,

Deine Laura